GIPFELBLICKE
© Erich Arndt
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Gipfelblicke
auf die Bezirke der DDR
ERFURT
Geografie:
Der
bewaldete
Große
Inselsberg
erhebt
sich
im
Nordwesten
des
Thüringer
Waldes.
Zu
DDR-Zeiten
war
der
Berg
die
höchste
Erhebung
im
Bezirk
Erfurt.
Er
ist
als
Landmarke
von
Norden
und
Westen
in
einem
Umkreis
von
etwa
30
bis
50 Kilometer
gut
zu
erkennen. Seit über 1000 Jahren markiert er historische Grenzverläufe.
Unsere Anfahrts- und Auffahrtsroute:
Die
Fahrt
geht
von
Gotha
über
die
Orte
Sundhausen,
Leina,
Schnepfenthal
und
Reinhardsbrunn
nach
Bad
Tabarz.
Dann
folgen
wir
der
Inselbergstraße,
die
hinauf
zum
Gipfel
führt.
Die
Strecke
ist
etwa
28
km
lang.
Ein
Höhenunterschied
von
744
m
ist
zu
bewältigen.
Unsere Abfahrtsroute:
Vom
Gipfelpunkt
folgen
wir
der
Inselbergstraße
wieder
hinab
nach
Bad
Tabarz.
Über
die
Orte
Friedrichsroda
und
Altenbergen
geht
es
dann
ca.
28
km
nach
Tambach-
Dietharz.
Anstrengung:
Gute
Kondition
und
Ausdauer
sind
erforderlich,
da
von
Gotha
bis
zum
Etappenziel
in
Tambach-Dietharz 1.101 Höhenmeter per Rad zu bewältigen sind.
Ausrüstung:
Wander- bzw. Fahrradausrüstung ggf. Wetterschutzkleidung.
Gefahren:
Bei fehlenden Radwegen sind auf den Kreis-, Landes- bzw. Bundesstraßen die üblichen
Gefahren des fließenden Verkehrs gegeben.
Bemerkungen:
Nicht
nur
„
Brocken-Benno
“
aus
Wernigerode
ist
eine
Legende
für
Bergwander.
Emilie
Hellmann,
geboren
zu
Brotterode,
war
es
auch:
Weltmeisterin
im
Inselbergstieg.
Zu
Ehren
der
wackeren
Berggängerin
wurde
zu
ihrem
70.
Geburtstag
im
Jahre
1927
eine
Hellmann-Gedenkkarte
herausgegeben,
die
zu
den
Raritäten
und
Kuriositäten
des
berühmten Berges zählt. Neben ihrem Bild mit Kiepe ist darauf zu lesen:
In 30 Jahren hat sie den Berg 12.000-mal erstiegen, das kommt gleich einer 2,5-
maligen Weltreise um den Äquator, dem Ersteigen von 400 Mount Everesten und einem
ununterbrochenen 3 Jahre langen Bergstieg.
Die
Ableitungen
vom
12.000-maligen
Aufstieg
erscheinen
mir
mathematisch
fragwürdig, dennoch verdient die Bergbotin aus Brotterode viel Respekt.
Letzte Aktualisierung: 05.10.2018
im Kontext der Geschichte
Im Reisetagebuch geblättert
(Donnerstag, 27.09.2018)
Bergetappe auf den Mons insularis
Die höchsten natürlichen Erhebungen in den ehemaligen Bezirken der DDR
Nach
zwei
Flachetappen
von
Leipzig
über
Bad
Sulza
nach
Gotha,
steht
am
heutigen
Donnerstag
die
erste
Bergetappe
auf
unserem
Programm.
Der
markanteste
Berg
des
Thüringer
Waldes,
der
Große
Inselsberg
(916,5
m),
einst
höchste
Erhebung
im
ehemaligen
DDR-
Bezirk Erfurt, soll erradelt werden.
Gegen
8:30
Uhr
verlassen
Brigitte
und
ich
gut
gestärkt
die
Pension
Regina
in
Gotha
und
fahren
etwa
3
km
über
den
Ortsteil
Sundhausen
aus
der
Kreisstadt
heraus.
Die
weiteren
17
km
bis
zum
Bergfuß
sind
relativ
flach.
Orte
wie
Leina,
Wahlwinkel,
Schnepfenthal
und
Reinhardsbrunn
werden
bis
Bad
Tabarz
durchfahren.
Bei
den
letzten
8
km
kommt
der
Kreislauf
jedoch
richtig
in
Schwung,
denn
auf
der
Inselbergstraße
geht
es
am
Stück
537
Höhenmeter
empor.
Steigungen
bis
10%
werden
gemeistert.
Um
11:00
Uhr
ist
das
Gipfelplateau
erreicht.
Erich
schnauft,
Brigitte
lächelt,
denn
ihr
Puls
ist
dank
energetischer Unterstützung (Pedelec) etwas niedriger.
Wir
stellen
die
Räder
ab
und
tauchen
während
eines
Rundganges
in
die
Geschichte
des
Berges
ein:
Der
Inselsberg
ist
vulkanischen
Ursprungs
und
ein
Quarzporphyr-Härtling,
der
aus
den
weicheren
Schichten
des
umliegenden
Rotliegenden
herausgewittert
ist.
Um
1649
ließ
Herzog
Ernst
I.
von
Gotha,
der
auch
Der
Fromme
genannt
wurde,
den
Berg
erschließen.
Der
Herzog
ließ
eine
Schutzhütte
in
Form
eines
Oktagon
errichten
und
über
der
Tür
ein
Schild
mit
der
Aufschrift
„
Mons
insularis
“
(Inselberg)
anbringen.
Herzog
Ernst
II.
von
Sachsen-
Gotha
und
Altenburg
setzte
die
Erschließung
des
Berges
fort.
Im
Jahre
1774
wurde
auf
dem
Plateau
ein
kleines
Observatorium
für
astronomische
Beobachtungen
und
Landvermessungen
gebaut.
1810
erweiterte
man
das
Observatorium
und
schuf
eine
Unterkunft
nebst
Ausschank,
die
den
Namen
Hessische
Herberge
führte.
Über
dem
Gipfel
verläuft
der
Rennsteig,
der
hier
früher
die
Grenze
zwischen
dem
Herzogtum
Sachsen-Gotha
und
dem
Kurfürstentum
Hessen
(Enklave
Schmarkalden)
darstellte.
Diese
Grenze
lieferte
auch
den
Grund,
auf
„
beiden
“
Seiten
ein
Gasthaus
zu
bauen.
Die
Hessische
Herberge
,
die
später
nach
verlorenem
Krieg
des
Kurfürsten
gegen
Preußen
in
Preußischer
Hof
umbenannt
wurde,
gab
es
ja
schon.
Heute
betreibt
die
Familie
Stöhr
den
Berggasthof.
Auf
der
gothaischen
Seite
entstand
1852
der
Berggasthof
Stadt
Gotha
.
Nach
1990
gab
es
mehrere
Besitzerwechsel.
Ein
Schild
mit
der
Aufschrift
Gasthof
Großer
Inselsberg
ist
angebracht,
doch
nach
wie
vor
liegt
das
Gebäude
im
Dornröschenschlaf.
Anfang
der
1950er
Jahre
weihte
der
erste
und
zugleich
letzte
Präsident
der
DDR,
Wilhelm
Pieck,
ein
Jugendgästehaus
ein,
welches
zwischen
den
beiden
Gasthöfen
steht
und
noch
heute
als
Wanderherberge
betrieben
wird.
Auch
dieses
Haus
hat
eine
über
hundertjährige
Geschichte.
Durch
seine
günstige
Lage
eignete
sich
der
Berg
aber
auch
als
Standort
für
den
Rundfunk.
Im
Jahr
1939
wurde
ein
Sendeturm
auf
dem
Plateau
errichtet.
Das
Militär
meldete
in
den
Kriegsjahren
auch
Bedarf
an,
so
kamen
auf
dem
Gipfelplateau
noch
Funkanlagen
für
die
Flugüberwachung
hinzu.
Nach
dem
Zweiten
Weltkrieg
erhielt
das
Gelände
die
Deutsche
Post,
die
1957
einen
zweiten
Turm
für
das
Richtfunknetz
der
DDR
baute.
Der
zweite
Turm
wurde
im
Jahr
2014
saniert
und
als
21
m
hoher
Aussichtsturm
umgebaut.
1972
erhielt
das
Gipfelplateau
ein
neues
Gesicht.
Ein
126
m
hoher
Sendemast
prägt
seitdem
unter
den
anderen
Bebauungen
den
Gipfel.
Von
diesem
werden
heute
noch
Fernseh-
und
Rundfunkprogramme
abgestrahlt.
Seit
1990
betreibt
die
Deutsche
Telekom
die
Sendeanlagen.
Fazit:
ein
schöner Berg, der leider total zugebaut ist.
Um
die
Aussicht
unbehindert
zu
genießen,
steigen
Brigitte
und
ich
95
Stufen
auf
den
Aussichtsturm
hinauf.
Wer
sportlich
geübt
ist,
kann
die
2
€
für
den
Aufstieg
sparen
und
an
einer
der
zwei
außen
angebrachten
Kletterwände
hochkraxeln.
Eine
Inversionswetterlage
ist
nötig,
um
erfolgreich
von
der
fünften
Etage
aus
in
die
weite
Ferne
zu
blicken.
Am
heutigen
Tag
hat
der
Besucher
eine
relativ
gute
Fernsicht
nur
der
Horizont
löst
sich
im
Dunst
auf.
Was
uns
an
Aussicht
in
alle
Richtungen
entgeht,
erklären
Panoramen:
Rundherum
Thüringer
Wald
-
westlich
bis
ins
Werratal
und
nach
Hessen,
gen
Norden
bis
zum
Harz,
nordöstlich
ins
Thüringer
Becken
oder
südwestlich
bis
in
die
Rhön
würde
der
Blick
bei
klarem
Wetter
und
sauberen
Scheiben
schweifen.
Bevor
die
Radtour
weiter
geht,
sehen
wir
uns
nach
dem
Abstieg
den
Trigonometrischen
Punkt
Erster
Ordnung
an,
suchen
drei
historische
Grenzsteine
auf
und
spazieren
entlang
des
Rennsteigs
zum
Gedenkstein,
der
an
Karl
Volkmar
Stoy
erinnert.
Auf
den
Pädagogen
geht
u.
a.
die
Einführung
des
Wandertages
zurück:
Am
21.
August
1853
wanderte
er
erstmals
mit
seiner gesamten Schulgemeinde von Jena bis zum Großen Inselsberg.
Nachdem
Brigitte
und
ich
je
eine
Thüringer
Bratwurst
verspeist
haben,
rollen
ab
12:45
Uhr
wieder
die
Räder.
Der
letzte
Abschnitt
führt
über
25
km
nach
Tambach-Dietharz.
Die
Radler
passieren
die
Orte
Friedrichsroda
und
Altenbergen.
Auf
der
B
8
wird
dabei
die
Wasserscheide
der
Elbe
und
Weser
überfahren.
In
Tambach-Dietharz
sichern
wir
im
REWE-Markt
die
Versorgung
und
radeln
dann
weiter
zur
Ferienanlage
Sonnenhof.
Gegen
15:00
Uhr
endet
die
erste
Bergetappe
nach
54
km.
In
einem
aufgehübschten
Bungalow
beziehen
wir
Quartier.
Später
muss
der
Fernseher
ausgetauscht
werden,
da
alle
Grundeinstellungen
verändert
wurden.
Der
Tag
klingt
nach
einem
Spaziergang
und
zwei
Bierchen
in
der
im
amerikanischen
Stil
hergerichteten
Kneipe
der
Sonnenhofinhaber
aus. Ende gut, alles gut.